IBA

Teil 1: Spektroskopie · Kapitel 6 · Massenspektrometrie

Massenspektrometrie

📄 Original-PDFs:alle Quellen →

Für Biomoleküle entscheidet die Ionisierung über Messbarkeit. Eine MS-Antwort sollte immer die Komponenten nennen:

  1. Ionenquelle;
  2. m/z-Analysator;
  3. Detektor;
  4. Vakuum;
  5. Signal-/Datenverarbeitung.

Moleküle müssen geladen sein, sonst lassen sie sich nicht mit elektrischen oder magnetischen Feldern beschleunigen/lenken. Vakuum ist nötig, damit Ionen nicht ständig mit Gasmolekülen kollidieren.

m/z Und Ladung

Massenspektren tragen auf der x-Achse (m/z), also Masse-zu-Ladungszahl. Für positive, protonierte Ionen gilt:

mz=M+zmHz\frac{m}{z}=\frac{M+z\,m_H}{z}

mit (m_H\approx1.0073) Da.

Umstellung:

M=z(m/z)zmHM=z\cdot(m/z)-z\,m_H

Das ist die zentrale Rechnung für ESI-Aufgaben. Bei mehrfach geladenen Ionen liegt ein großes Molekül bei kleinerem m/z. Ein Protein mit 6000 Da und (z=5) erscheint ungefähr bei (m/z=1201).

Originalseite aus der Schrader Musterprüfung mit ESI-MS-Aufgabe zu Angiotensin I

Originalaufgabe aus der Musterprüfung: Ladungszustände, Isotopenabstände und Auflösung sind ein wiederkehrendes MS-Muster.

Isotope

Elemente haben natürliche Isotopenverteilungen. Moleküle erzeugen deshalb Isotopencluster. In organischen/Bio-Molekülen ist besonders ¹³C wichtig: viele C-Atome erhöhen die Wahrscheinlichkeit für M+1-Peaks.

Bei mehrfach geladenen Ionen rücken Isotopenpeaks enger zusammen:

Δ(m/z)1z\Delta(m/z)\approx \frac{1}{z}

Typische Klausurdiagnose:

  • Abstand 1,0: einfach geladen;
  • Abstand 0,5: zweifach geladen;
  • Abstand 0,33: dreifach geladen;
  • Abstand 0,2: fünffach geladen.

Ionisationsmethoden

EI

Elektronenstoßionisation:

M+eM++2eM+e^-\rightarrow M^{+\bullet}+2e^-

EI ist hart: Es entstehen viele Fragmente. Das ist für kleine flüchtige Moleküle und Datenbankvergleich nützlich, aber für intakte Biomoleküle meist ungeeignet.

ESI

Elektrospray-Ionisation bringt gelöste Moleküle über geladene Tropfen in die Gasphase. Lösungsmittel verdunstet, Ladung bleibt zurück, Ionen werden ins MS überführt. ESI ist weich und gut mit LC koppelbar.

Schematische Elektrospray-Ionisation im positiven Modus mit Taylor-Kegel, geladenen Tropfen und Ionenstrom
Externe Beispielgrafik: ESI im positiven Modus als Bildanker für Tropfenbildung, Desolvation und Ladungszustände. Wikimedia Commons: ESI positive mode CC BY 2.0, Andreas Dahlin

Typisch:

  • mehrfach geladene Protein-/Peptidionen;
  • Ladungszustandsserien;
  • gut für polare/geladene Moleküle;
  • empfindlich gegenüber Salzen, Puffern und Matrix.

MALDI

MALDI steht für Matrix Assisted Laser Desorption/Ionisation. Probe und Matrix kristallisieren zusammen. Der Laser wird überwiegend von der Matrix absorbiert; die Matrix unterstützt Desorption und Ionisation und schützt den Analyten.

Typisch:

  • häufig einfach geladene Ionen;
  • oft Kopplung mit TOF;
  • geeignet für Peptide, Proteine, Polymere;
  • Matrixhintergrund im unteren m/z-Bereich;
  • Heterogenität der Kristalle kann Reproduzierbarkeit beeinflussen.

Originalfolie zum Vergleich von ESI und MALDI

MALDI-TOF

Bei TOF werden Ionen beschleunigt und ihre Flugzeit gemessen. Bei gleicher Beschleunigung fliegen leichte Ionen schneller als schwere. Vereinfacht gilt:

m/zt2m/z \sim t^2

In der Vorlesung wird für MALDI oft (z=1) angenommen. Dann entspricht m/z fast der Molekülmasse plus/minus Addukt.

MALDI-TOF-Fragen wollen oft:

  • Matrixfunktionen nennen;
  • Achsen des Spektrums erklären;
  • einfach geladene Peaks skizzieren;
  • Isotopenmuster/Addukte beachten;
  • Auflösung beurteilen.

Auflösung

Die massenspektrometrische Auflösung beschreibt, wie gut nahe Peaks getrennt werden:

R=mΔmR=\frac{m}{\Delta m}

Häufig ist (\Delta m) die Halbwertsbreite (FWHM). Beispiel: Peak bei (m/z=1000), FWHM (0,20): (R=5000).

Hohe Auflösung ist wichtig, um Isotopenpeaks, Ladungszustände oder sehr ähnliche Massen zu unterscheiden. Niedrige Auflösung kann Cluster verschmelzen lassen.

m/z-Analysatoren

AnalysatorPrinzipTypische Rolle
Quadrupolstabiler/instabiler Ionenflug in RF/DC-FeldernRoutine, Selektion, Triple-Quad
TOF/Re-TOFFlugzeit nach BeschleunigungMALDI, schnelle Spektren, Q-TOF
IonenfalleIonen speichern und sequenziell auswerfenMS/MS, Strukturinformationen
Orbitrap/FT-ICRFrequenzanalyse gespeicherter Ionensehr hohe Auflösung/Massengenauigkeit

Routinefragen verlangen meist nicht jedes Detail, aber du solltest Quadrupol, TOF, Ionenfalle und Orbitrap/FT-ICR grob unterscheiden können.

MS/MS

Tandem-MS bedeutet: Ion auswählen, fragmentieren, Fragmente analysieren. Das ist zentral für Peptidsequenzierung, Strukturaufklärung und selektive Quantifizierung in LC-MS/MS.

Bei Triple-Quadrupol:

  • Q1 selektiert Precursor-Ion;
  • Q2 fragmentiert in Kollisionszelle;
  • Q3 analysiert Product-Ionen.

Typische Klausurantworten

“Warum ESI für Proteine?” Weiche Ionisation aus Lösung, mehrfache Ladungen senken m/z in messbaren Bereich, gut mit LC koppelbar.

“Warum MALDI-Matrix?” Absorbiert Laserenergie, vermittelt Desorption, unterstützt Ionisation, schützt Analyt vor direkter harter Laserwirkung.

“Warum Vakuum?” Freie Ionenflugbahnen, weniger Kollisionen, definierte Felder/Flugzeiten.

“Warum Isotopenabstand 0,2?” Ladungszustand (z=5), weil ein Massenzuwachs von 1 Da durch fünf Ladungen auf 0,2 m/z verteilt wird.

Quellen:Schrader VL 01 Massenspektrometrie, Schrader Übung MS, Schrader Muster-Prüfung, Schrader Beispielaufgaben SS21, Schrader Altklausur SS07, Schrader ergänzende Fragen 39-48

Abruf-Quiz

Frage 1 / 5

Ein Peptid mit M=6000 Da ist fünffach protoniert. m/z ungefähr?