Teil 1: Spektroskopie · Kapitel 4 · Infrarotspektroskopie
Infrarotspektroskopie
IR-Aufgaben fragen häufig nach Aktivitätsregel, Achsen, Bandeninterpretation, Geräteaufbau, Probenmaterialien und Einheitenumrechnung.

Originalaufgabe aus den Schrader-Beispielaufgaben. Nutze sie wie in der Klausur: erst Spektrumstyp und Achsen, dann funktionelle Gruppen, dann Rechnung.
Grundprinzip
IR-Strahlung regt Molekülschwingungen und Rotationen an. Eine Schwingung ist IR-aktiv, wenn sich während der Schwingung das elektrische Dipolmoment ändert. Symmetrische Schwingungen ohne Dipolmomentänderung sind IR-inaktiv oder sehr schwach.
Freiheitsgrade:
für nichtlineare Moleküle und
für lineare Moleküle. CO₂ ist linear: (Z=3\cdot3-5=4). Die symmetrische Streckschwingung ist IR-inaktiv, die asymmetrische Streckung und Deformationsschwingungen sind IR-aktiv.
Bereiche
| Bereich | Wellenlänge | Bedeutung |
|---|---|---|
| NIR | 0,7-2,5 µm | Ober- und Kombinationsschwingungen, oft quantitative Prozessanalytik |
| MIR | 2,5-50 µm | Grundschwingungen, klassische funktionelle Gruppen |
| FIR | 50-1000 µm | Rotationen, niedrige Schwingungsenergien |
Die Achse im IR-Spektrum ist meist Wellenzahl in cm⁻¹. Hohe Wellenzahl bedeutet hohe Energie und kurze Wellenlänge.
Beispiel: 2400 cm⁻¹ entspricht (10^4/2400=4,17) µm.
Schwingungsmodell
Das Feder-Masse-Modell erklärt Trends:
mit Kraftkonstante (D) und reduzierter Masse
Stärkere Bindung und kleinere reduzierte Masse führen zu höherer Frequenz. Deshalb liegen X-H-Streckschwingungen hoch, schwere Atome niedriger. Reale Bindungen sind anharmonisch: Obertöne und Kombinationsschwingungen werden möglich, besonders im NIR.
Typische IR-Banden
| Bereich | Typische Zuordnung | Klausurhinweis |
|---|---|---|
| 3600-3200 cm⁻¹ | O-H, N-H | oft breit bei H-Brücken |
| ca. 3000 cm⁻¹ | C-H | oberhalb 3000 eher =C-H/aromatisch, darunter aliphatisch |
| 2300-2400 cm⁻¹ | CO₂ | atmosphärische Störung möglich |
| 1800-1650 cm⁻¹ | C=O | meist stark, diagnostisch wichtig |
| 1600-1500 cm⁻¹ | C=C, Aromaten, Amid II | mit Kontext interpretieren |
| unter 1500 cm⁻¹ | Fingerprint | Mustervergleich, nicht jede Bande einzeln deuten |
Klausurfalle: Nie aus einer einzigen Bande eine Struktur “beweisen”. Besser: “Die starke Bande um … spricht für …, zusätzlich passt/nicht passt …”.
FT-IR

Im FT-IR wird nicht jede Wellenlänge nacheinander gemessen. Ein Michelson-Interferometer erzeugt ein Interferogramm, das per Fourier-Transformation in ein Spektrum überführt wird. Ein Laser dient dabei typisch als Referenz für die Spiegelbewegung bzw. Wellenzahlachse.
Wichtige Bauteile:
- IR-Quelle;
- Strahlteiler und beweglicher Spiegel im Interferometer;
- Probenraum;
- IR-Detektor;
- Rechner für Fourier-Transformation und Spektrum.
Vorteile: hoher Lichtdurchsatz, schnelle Messung, gute Wellenzahlgenauigkeit, Mittelung vieler Scans möglich. Wie bei anderen Methoden verbessert Mittelung das Signal/Rausch-Verhältnis nur ungefähr mit (\sqrt n).
Proben Und Materialien
Im mittleren IR ist normales Glas ungeeignet, weil es selbst absorbiert. Daher nutzt man Materialien wie KBr, NaCl, CaF₂ oder spezielle Kristalle. Wasser ist ebenfalls problematisch, weil es starke IR-Banden hat und manche Salzfenster angreift.
Klassische Probenpräparation:
- KBr-Pressling für Feststoffe;
- Film oder Lösung zwischen IR-Fenstern;
- Gaszelle für Gase;
- ATR für schnelle Oberflächen-/Feststoff-/Flüssigkeitsmessungen.

ATR bedeutet Attenuated Total Reflection. Der IR-Strahl wird im Kristall intern reflektiert; ein evaneszentes Feld dringt wenige Mikrometer in die Probe ein. Das ist praktisch, aber intensitäts- und matrixabhängig.
Raman Als Komplement
Raman-Spektroskopie misst inelastische Streuung. Eine Schwingung ist Raman-aktiv, wenn sich die Polarisierbarkeit ändert. Deshalb kann Raman Schwingungen zeigen, die im IR schwach oder inaktiv sind. Wasser stört Raman oft weniger stark als IR, Fluoreszenzuntergrund kann aber stark stören.
Kurzvergleich:
| Methode | Aktivitätsbedingung | Stark bei |
|---|---|---|
| IR | Dipolmomentänderung | polare Bindungen, funktionelle Gruppen |
| Raman | Polarisierbarkeitsänderung | symmetrische, gut polarisierbare Bindungen |
Für die Klausur reicht meist: IR und Raman liefern Schwingungsinformation, sind aber nicht identisch; die Auswahlregeln unterscheiden sich.
Abruf-Quiz
Frage 1 / 5Eine Normalschwingung ist IR-aktiv, wenn sich während der Schwingung das Dipolmoment ändert.